„Nachhaltigkeit ist kein Schönheitswettbewerb“

Berlin, 04.02.2016

Am 28. Januar veranstaltete das Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) bereits zum dritten Mal einen Kommunikationsworkshop für seine Mitglieder. Schwerpunkt der Veranstaltung, die in diesem Jahr in Kooperation mit der Agentur Angela Neumann PR in Köln stattfand, war das Thema Kommunikation mit und über EPDs. Unter anderem wurde auch das Kommunikationsmanual des IBU erstmals präsentiert.

Rund 30 Vertreter diverser Mitgliedsunternehmen des IBU nahmen an dem Workshop mit dem Titel „EPDs in Marketing, PR und Vertrieb erfolgreich kommunizieren“ teil. Neben Berichten über die nationalen und internationalen Aktivitäten des IBU und die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins ging es im Wesentlichen um die Frage, wie die Mitglieder die Vorteile und Bedeutung ihrer EPDs für das Nachhaltige Bauen besser bekannt machen können. „Jedes Mitgliedsunternehmen und jeder Mitgliedsverband sollte die EPDs nutzen, um auf die eigenen Aktivitäten aufmerksam zu machen“, so die Kommunikationsexpertin Angela Neumann. „Sie setzen sich für Nachhaltigkeit im Unternehmen ein und fördern das Nachhaltige Bauen. Das gilt es, intern wie extern zu kommunizieren.“ Dabei standen vor allem zwei Praxisbeispiele im Vordergrund. Raban Siebers, Experte für Nachhaltigkeit und Baubetrieb beim bauforumstahl e.V., berichtete über Einsatzmöglichkeiten, Erfahrungen und Vorteile von Verbands-EPDs. Bei der Erstellung wurden die Daten aus 19 europäischen Stahlwerken in einer EPD zusammengefasst. Die EPD enthält deshalb repräsentative Werte für alle vom bauforumstahl vertretenen Stahlhersteller. „Stahlhändler können häufig nicht ohne Weiteres nachverfolgen, aus welchem Werk eines Herstellers der angebotene Stahl kommt. Deshalb haben wir uns entschieden, eine EPD zu erstellen, die für alle Werke unseres Verbandes gültig ist“, erläuterte Siebers. Dabei zeigte sich auch, dass die ermittelten Werte deutlich unter den sonst verwendeten Durchschnittswerten aus Ökobilanz-Datenbanken liegen. Ist der Verwendungszweck klar, eignen sich EPDs laut Siebers für einen fairen und objektiven Vergleich von Produkten und sogar alternativen Bauweisen: „Ein Produkt mag beispielsweise günstiger sein, wenn man es aus Übersee kauft. Aber allein durch den Transport zahlt man dafür letztlich auch mit einer schlechteren Ökobilanz.“

 Laura Cremer, Nachhaltigkeitsmanagerin beim Bodenbelagshersteller Interface, berichtete über die Nutzung von EPDs in der Unternehmenskommunikation: „Nachhaltigkeit ist kein Schönheitswettbewerb, bei dem man sich mit möglichst vielen Labels schmückt. EPDs helfen dem Kunden, eben nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern bei seiner Entscheidung auch auf ökologische Aspekte zu achten. Die Verifizierung und der Verzicht auf eine Bewertung stellen eine besondere Stärke von EPDs dar.“ So bringen EPDs Vergleichbarkeit und die Möglichkeit, Aussagen zu den Umweltwirkungen eines Produktes mit quantitativen Daten zu belegen. Fundierte Informationen über ein Produkt können die Glaubwürdigkeit der Kommunikation unterstützen, denn gerade im Bereich Business-to-Business werden noch immer vor allem rationale Entscheidungen anhand von Zahlen getroffen. „Deshalb haben wir auch Umweltdatenblätter erstellt, welche die für unsere Produkte relevantesten Informationen zusammenfassen – unter anderem auch Daten aus den EPDs. Wir wollen den Nachhaltigkeitsgedanken im gesamten Unternehmen verankern, weshalb jeder Kollege zum Thema geschult ist“, erklärte Cremer.

 Abschließend wurde das neue Kommunikationsmanual vorgestellt, das vielfältige Hintergrundinformationen und Expertenaussagen enthält und die Mitglieder bei ihrer Kommunikationsarbeit unterstützen soll. „Nachhaltiges Bauen und der Nutzen von EPDs sind komplexe Themen. Darüber zu informieren und zu kommunizieren, ist eine echte Herausforderung. „In diesem Workshop habe ich viele Anregungen bekommen, wie wir EPDs in unserer Kommunikation einsetzen können und das Kommunikationsmanual vom IBU wird mir dabei eine große Hilfe sein“, fasste Heleen Blindenbach, QHSE-Managerin bei Novoferm, ihre Eindrücke zusammen. Auch Anita Kietzmann, Koordinatorin der Öffentlichkeitsarbeit beim IBU, war mit der Veranstaltung sehr zufrieden: „Der intensive Dialog mit unseren Mitgliedern ist genau das, was uns voranbringt.“

 Das IBU ist mit rund 180 Mitgliedsunternehmen und -verbänden aus 17 Nationen und über 1.000 veröffentlichten Deklarationen der bedeutendste EPD-Programmbetreiber in Europa. EPDs (Environmental Product Declarations, de: Umwelt-Produktdeklarationen) basieren auf den internationalen Normen ISO 14025 und EN 15804 und eignen sich für alle baubezogenen Produkte und Dienstleistungen. Sie stellen potentielle Umweltwirkungen neutral und transparent dar, ohne zu bewerten. Die enthaltenen Informationen basieren auf einer Ökobilanz und müssen durch unabhängige Dritte verifiziert werden. EPDs sind deshalb eine wichtige Grundlage für die Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden auf ökologischer Ebene.

Bildunterschrift: Referentin Laura Cremer berichtet über Erfahrungen mit Umwelt-Produktdeklarationen in der Unternehmenskommunikation bei Interface.


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